STIs sind keine moralischen Versagen. Es sind Infektionen — verursacht durch Bakterien, Viren und Parasiten — die sexuell übertragen werden können. Die meisten sind behandelbar. Einige sind heilbar. Alle sind beherrschbar, wenn Sie Ihren Status kennen und danach handeln.

Dies ist die Übersicht.

Die großen Kategorien

Bakterielle STIs (heilbar)

Diese werden durch Bakterien verursacht und können vollständig mit Antibiotika eliminiert werden. Der Haken: Sie sind weitgehend asymptomatisch, sodass die meisten Menschen nicht wissen, dass sie sie haben.

Chlamydien

  • Häufigste bakterielle STI.
  • Übertragung: oraler, analer, genitaler Kontakt.
  • Orte: Harnröhre, Rektum (rektale Chlamydien sind häufig und fast immer symptomlos), Rachen (pharyngeale Chlamydien — fast immer symptomlos).
  • Behandlung: Doxycyclin 100 mg zweimal täglich für 7 Tage (oder Azithromycin 1 g Einzeldosis, wobei Doxycyclin bevorzugt wird).
  • Unbehandelt: kann zu Harnröhrenvernarbungen, Epididymitis und langfristig zu Fruchtbarkeitsproblemen führen.

Gonorrhoe

  • Übertragung: oraler, analer, genitaler Kontakt.
  • Orte: Harnröhre, Rektum, Rachen, Augen.
  • Wichtig: Gonorrhoe wird zunehmend antibiotikaresistent. Eine duale Therapie (Ceftriaxon-Injektion + Azithromycin, oder Ceftriaxon allein in vielen aktualisierten Leitlinien) ist in den meisten Ländern mittlerweile Standard. Orale Antibiotika allein werden für Gonorrhoe nicht mehr empfohlen.
  • Symptomrate: etwa 50 % symptomatisch in der Harnröhre (Ausfluss, Brennen); rektale und Racheninfektionen sind fast immer symptomlos.

Syphilis

  • Übertragung: Haut-zu-Haut-Kontakt mit Wunden. Die Wunde kann sich an den Genitalien, am Anus, im Mund oder auf jeder Hautoberfläche befinden.
  • Stadien: Primär (schmerzlose Wunde / Schanker), Sekundär (Hautausschlag — oft an Handflächen und Fußsohlen, grippeähnliche Symptome), Latenz (keine Symptome, aber weiterhin übertragbar und infektiös), Tertiär (schwere systemische Schäden — selten, wenn behandelt).
  • Behandlung: Penicillin G Injektion. In jedem Stadium hochwirksam.
  • Der aktuelle Anstieg: Die Syphilisraten unter schwulen und bisexuellen Männern sind in Europa seit 2010 erheblich gestiegen. Bei mehreren Partnern wird ein vierteljährliches Screening empfohlen.

Rektale und Racheninfektionen sind fast immer symptomlos. Die einzige Möglichkeit, dies festzustellen, ist ein Test. Ein standardmäßiger Test auf sexuell übertragbare Krankheiten, der nur einen Harnröhrenabstrich umfasst, übersieht die meisten Infektionen. Sie benötigen einen 3-Stellen-Test: Urin-/Harnröhrenabstrich, Rektalabstrich, Rachenabstrich.

Virale STIs (beherrschbar, nicht heilbar)

Viren sprechen nicht auf Antibiotika an. Antivirale Medikamente behandeln sie — sie unterdrücken die Viruslast, reduzieren die Übertragung und minimieren die Symptome — eliminieren aber nicht die zugrunde liegende Infektion.

HIV

  • Übertragung: Blut, Sperma, Präejakulat, rektale Sekrete, Vaginalflüssigkeiten, Muttermilch.
  • Höchstes Übertragungsrisiko: rezeptiver Analsex (ungefähr 1,4 % pro Akt ohne Schutz im Risikoszenario mit dem höchsten Risiko).
  • Moderne Realität: Mit PrEP und Behandlung ist HIV heute eine beherrschbare chronische Erkrankung. Eine HIV-positive Person mit nicht nachweisbarer Viruslast kann HIV sexuell nicht übertragen (U=U — siehe speziellen Artikel).
  • Test: Antikörper-/Antigentests der 4. Generation weisen HIV nach 28 Tagen nach. Ein RNA-Test kann es nach 10 Tagen nachweisen.

Herpes (HSV-1 und HSV-2)

  • HSV-1 verursacht traditionell oralen Herpes („Lippenherpes“); HSV-2 traditionell genitalen Herpes. In der Praxis ist HSV-1 zunehmend genital verbreitet (oft durch Oralsex übertragen).
  • Übertragung: Haut-zu-Haut-Kontakt mit der betroffenen Stelle, auch wenn keine Wunden sichtbar sind (asymptomatische Ausscheidung).
  • Realitätscheck: Die meisten Menschen mit Herpes haben keine oder nur sehr leichte Symptome. Es definiert Ihr Sexualleben nicht. Eine suppressive antivirale Therapie (Aciclovir, Valaciclovir) reduziert die Häufigkeit von Ausbrüchen und das Übertragungsrisiko.
  • Hinweis zum Test: Standard-STI-Panel umfassen oft keine Herpes-Serologie. Wenn Sie einen Herpes-Bluttest wünschen, fragen Sie gezielt danach.

HPV (Humanes Papillomavirus)

  • Die meisten sexuell aktiven Menschen werden im Laufe ihres Lebens mindestens einen HPV-Stamm bekommen. Die meisten beseitigen ihn ohne Symptome.
  • Einige Stämme verursachen Genitalwarzen (Typen 6 und 11). Andere Stämme (16 und 18, und andere) verursachen Krebs — anal, Rachen, Penis.
  • Prävention: Die Gardasil 9 Impfung ist der primäre Schutz. Kondome reduzieren die Übertragung, eliminieren sie aber nicht (HPV verbreitet sich über die Haut, nicht nur über Flüssigkeiten).
  • Siehe Die Impf-Checkliste für HPV-Daten speziell für schwule und bisexuelle Männer.

Hepatitis A, B und C

  • Hep A: Fäkal-oral (Rimming). Durch Impfung vermeidbar.
  • Hep B: Blut und Sperma. Durch Impfung vermeidbar. Kann bei Nichtbehandlung chronische Lebererkrankungen verursachen.
  • Hep C: Blut-zu-Blut-Kontakt. Keine Impfung. Heilbar mit direkt wirkenden Antiviralika. Relevant bei Fisting, hartem Analsex mit Gewebeschäden und gemeinsam genutztem Drogenbesteck.

Parasitäre und andere STIs

Mpox (Affenpocken)

  • Haut-zu-Haut-Kontakt. Hat Netzwerke von schwulen und bisexuellen Männern überproportional betroffen.
  • Impfstoff verfügbar (Jynneos). Siehe Die Impf-Checkliste.

Filzläuse („Schamläuse“) und Krätze

  • Haut-zu-Haut-Kontakt. Behandelt mit topischem Permethrin oder oralem Ivermectin.

Übertragungsrisiko auf einen Blick

PraktikHIV-RisikoBakterielles STI-RisikoHerpes-/HPV-Risiko
Rezeptiver Analsex (ohne Kondom, ohne PrEP)HochHoch (rektale Gonorrhoe, Chlamydien)Mittel–hoch
Insertiver Analsex (ohne Kondom, ohne PrEP)MittelHoch (Harnröhre Gonorrhoe, Chlamydien)Mittel
Rezeptiver OralsexSehr gering–vernachlässigbarMittel (Rachengonorrhoe)Gering–mittel
Insertiver OralsexVernachlässigbarMittel (Harnröhre Gonorrhoe)Gering (Herpes über oralen Kontakt)
AnalingusVernachlässigbarMittel (Hep A, rektale Bakterien)Gering
Haut-zu-Haut (Leistenbereich)KeinesGeringHoch (Herpes, HPV)

Das asymptomatische Problem

Das Wichtigste an dieser Tabelle: Die meisten STIs verursachen keine Symptome, insbesondere im Rektum und Rachen. Das Fehlen von Symptomen ist kein Beweis für das Fehlen einer Infektion.

Deshalb ist das Testprotokoll wichtig. Sie können Ihren Status nicht anhand Ihres Gefühls kennen.

Stigma und Sprache

STIs betreffen Menschen, die Sex haben. Es sind Infektionen mit etablierten Übertragungswegen — keine Reflexion des Charakters, der Hygiene oder der Anzahl Ihrer Partner.

„Sauber“ im Sinne von STI-frei ist stigmatisierende Sprache — es impliziert, dass Menschen mit STIs schmutzig sind. Sagen Sie stattdessen „getestet“, „negativ“, „frei“. Wenn jemand „sauber“ zu Ihnen sagt, lohnt es sich, sanft zu korrigieren; es ist selten böswillig, meist nur übernommene Sprache.

Verwandt: