Frankreichs Gesundheitssystem ist stark subventioniert, aber um es nutzen zu können, brauchst du die Carte Vitale (die grüne staatliche Krankenversicherungskarte). Wenn du als EU-Bürger nach Frankreich ziehst, bekommst du diese Karte nicht automatisch, wenn du die Grenze überquerst. Die bürokratische Lücke zwischen deiner Ankunft und dem Erhalt deiner Karte zu überbrücken, ist eine Art Initiationsritus.
🇪🇺 Die EHIC-Brücke (Für EU-Bürger)
Wenn du EU-Bürger bist, deckt die Europäische Krankenversicherungskarte deines Heimatlandes (EHIC / Carte Européenne d'Assurance Maladie) medizinisch notwendige Behandlungen ab, während du vorübergehend dort lebst oder als Tourist da bist.
- Notfälle: Wenn du Notfall-PEP (TPE) im Krankenhaus brauchst, zeig deine EHIC. Das Krankenhaus wird es als staatliche Deckung behandeln.
- Das Apothekenproblem: Obwohl du deine EHIC nutzen kannst, um einen Hausarzt aufzusuchen (du bezahlst dann vorab und beantragst die Erstattung in deinem Heimatland), können französische Apotheken eine EHIC nicht einfach für kostenlose PrEP verarbeiten. Wenn du versuchst, PrEP mit einer ausländischen EHIC abzuholen, wird die Apotheke dir fast sicher den vollen Preis aus eigener Tasche berechnen.
⏳ Die Antragsrealität (CPAM)
Wenn du nach Frankreich ziehst, musst du dich bei der CPAM (Caisse Primaire d'Assurance Maladie) anmelden, um eine französische Sozialversicherungsnummer (Numéro de Sécurité Sociale) und deine Carte Vitale zu bekommen.
Unterschiede bei der Anmeldung je nach Herkunftsland:
- EU-/EWR-Bürger: Du bist berechtigt, wenn du in Frankreich angestellt bist oder einen stabilen Wohnsitz nachweisen kannst. Du kannst deine EHIC weiterhin für Notfälle nutzen, während dein Antrag bearbeitet wird.
- Nicht-EU-Bürger: Du musst dich legal in Frankreich aufhalten mit einem gültigen Langzeitvisum oder einer Aufenthaltsgenehmigung. Außer wenn du in eine Ausnahmekategorie fällst (z.B. Angestellter oder Student), musst du in der Regel mindestens drei Monate einen stabilen und regulären Wohnsitz in Frankreich nachweisen, bevor du überhaupt eine Krankenversicherung beantragen kannst.
Die Wartezeit: Die französische Verwaltung ist notorisch langsam. Die Bearbeitung deines CPAM-Antrags und die Ausstellung einer dauerhaften Sozialversicherungsnummer und einer physischen Carte Vitale kann zwischen 3 und 6 Monaten dauern (oder länger für Nicht-EU-Bürger, die einen stabilen Wohnsitz nachweisen müssen).
Während dieser Wartezeit erhältst du irgendwann eine „temporäre“ Sozialversicherungsnummer. Mit einer temporären Nummer musst du beim Arzt und in der Apotheke immer noch vorab bezahlen, aber du bekommst einen braunen Papierbeleg, der feuille de soins genannt wird. Diesen Beleg schickst du an die CPAM, um dein Geld irgendwann zurückzubekommen.
Medizinische Notfälle
Wenn du einen medizinischen Notfall hast (einschließlich der Notwendigkeit für PEP), wähle +33 112 (die allgemeine europäische Notrufnummer) oder +33 15 (SAMU, dringende medizinische Hilfe). Für nicht-notfallmäßige medizinische Beratung, wenn dein Arzt nicht erreichbar ist, rufe 116 117 an (diese Nummer ist möglicherweise nicht von Nicht-französischen Netzen aus erreichbar).
🌉 Die Übergangsstrategie
Wie bekommst du kostenlose PrEP und STI-Tests während der 6 Monate, in denen du auf deine physische Carte Vitale wartest?
Du nutzt das CeGIDD.
Da CeGIDD-Kliniken 100% kostenlos sind und weder eine Sozialversicherungsnummer, einen Ausweis noch eine Versicherungskarte erfordern, sind sie das ultimative Sicherheitsnetz für Expats und Immigranten. Nutze das CeGIDD für deine vierteljährlichen Tests und PrEP-Rezepte, bis deine Carte Vitale per Post ankommt. Sobald du die Karte hast, kannst du zu einem privaten Hausarzt und einer Apotheke in deiner Nähe wechseln.
🛡️ La Mutuelle (Zusatzversicherung)
Der französische Staat (Sécurité Sociale) übernimmt nicht 100% aller medizinischen Kosten. Er deckt typischerweise 70% eines Arztbesuchs und einen Prozentsatz der Labortests ab.
Um die restlichen 30% abzudecken, nutzen Einwohner eine Mutuelle (private Zusatzversicherung).
- Wenn du in Frankreich angestellt bist, ist dein Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, dir eine Mutuelle zur Verfügung zu stellen und diese stark zu subventionieren.
- Wenn du Student oder Freiberufler bist, kannst du dir privat eine für etwa 30–50 € pro Monat kaufen.
Ist PrEP zu 100% gedeckt? Ja. Der Staat hat PrEP kürzlich als 100%ig von der Sécurité Sociale gedeckt eingestuft. Die routinemäßigen Bluttests und Abstriche, die für die Aufrechterhaltung deiner PrEP-Verschreibung erforderlich sind, werden jedoch in der Regel nur zu 60–70% vom Staat übernommen. Du brauchst deine Mutuelle, um den Rest der Laborrechnung abzudecken, sonst musst du jedes Quartal ein paar Euro im Labor aus eigener Tasche bezahlen.
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