Seit Juli 2024 wird PrEP in der Schweiz von der obligatorischen Grundversicherung übernommen. Das ist die gute Nachricht: Der Zugang ist endlich institutionalisiert. Die schlechte Nachricht? Ab Anfang 2026 droht dem Land ein Mangel am einzigen erstattungsfähigen PrEP-Medikament, und du musst immer noch die üblichen Schweizer Versicherungs-Franchisen in Kauf nehmen, um es zu bekommen.
Wer sie bekommen kann
Die Grundversicherung übernimmt PrEP für Personen mit hohem HIV-Risiko, dazu gehören Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), Transpersonen und andere mit spezifischen Risikofaktoren.
Damit die Kosten übernommen werden, musst du von einer medizinischen Fachperson oder einem Zentrum behandelt werden, das dem SwissPrEPared-Netzwerk angeschlossen ist. Hinweis: Du musst zu einem Arzt oder einer Ärztin aus dem Netzwerk gehen, bist aber nicht verpflichtet, an der SwissPrEPared-Forschungsstudie selbst teilzunehmen, um das Medikament zu bekommen.
Wie du sie bekommst
- Finde einen Netzwerkarzt: Finde eine Klinik oder einen Arzt/eine Ärztin auf der SwissPrEPared-Website. Nur diese angeschlossenen Anbieter können die PrEP über die Grundversicherung abrechnen.
- Die Konsultation: Der Anbieter wird erste HIV-, STI- und Nierenfunktionstests durchführen und deine Berechtigung prüfen.
- Die Kostenrealität: «Von der Versicherung gedeckt» heisst nicht kostenlos. Du bist für deine monatliche Prämie, deine gewählte jährliche Franchise (normalerweise zwischen CHF 300 und CHF 2'500) und den 10 % Selbstbehalt (bis zu CHF 700/Jahr) verantwortlich, nachdem die Franchise erreicht ist.
- Das Engpass-Protokoll (2026): Aufgrund der aktuellen Engpässe bei Emtricitabine-Tenofovir-Mepha® (dem einzigen gedeckten Generikum) verschreiben Ärzte meist nur einen Monatsvorrat auf einmal.
Wenn du nicht warten kannst
Der Engpass in der Schweiz ist im Moment meistens nicht, einen Termin zu bekommen, sondern die eigentlichen Pillen aufgrund von Lieferkettenproblemen.
- Der Engpass-Umweg: Wenn deine Apotheke vor Ort keine Vorräte mehr hat, schau auf swissprep.ch nach. Die Apotheke Schaffhauserplatz in Zürich dient als zentrale Anlaufstelle und hat oft noch Bestände, wenn andere leer sind.
- Grenzüberschreitung: Einige Patienten, die nahe der Grenze wohnen, lassen Rezepte in Nachbarländern einlösen. Sei gewarnt: Die Schweizer Grundversicherung übernimmt Medikamente, die im Ausland gekauft wurden, nicht garantiert.
- Der Selbstzahler-Weg: Wenn du die Kriterien nicht erfüllst oder deine Krankenversicherung aus Datenschutzgründen nicht nutzen möchtest, kannst du PrEP komplett selbst bezahlen. Besprich dies mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, da nicht alle Anbieter Selbstzahler-Optionen anbieten.
Teste dich, bevor du anfängst. Beginne niemals mit PrEP ohne einen negativen HIV-Bluttest der 4. Generation. PrEP mit einer unentdeckten HIV-Infektion zu beginnen, kann zu medikamentenresistentem HIV führen und die Behandlung stark erschweren.
Was danach passiert
SwissPrEPared-Zentren befolgen einen strengen Überwachungszyklus. Um dein Rezept zu behalten, musst du alle 3 Monate vorbeikommen.
- Der Vierteljahres-Check: HIV-Test, Nierenfunktionsüberprüfung (Kreatinin) und vollständiges STI-Screening.
- Richtig abstreichen: Stell sicher, dass die Klinik Drei-Stellen-Tests (Rachen, Rektum und Genitalien) auf Gonorrhö und Chlamydien durchführt.
- Impfungen: Überprüfe bei diesen Besuchen, ob du Auffrischimpfungen für Hepatitis oder Mpox benötigst.
Was verfügbar ist
- Tägliche orale PrEP: TDF/FTC (derzeit Emtricitabine-Tenofovir-Mepha®).
- Anlassbezogen (2-1-1): Die ereignisbasierte Einnahme wird voll unterstützt. Angesichts der Medikamentenengpässe 2026 empfehlen Ärzte aktiv die anlassbezogene PrEP für Patienten, die nicht häufig genug Sex haben, um eine tägliche Dosis strikt zu benötigen.
- Injizierbar (CAB-LA / Apretude): Anfang 2026 noch nicht standardmässig von der Grundversicherung für PrEP gedeckt.
| Weg | Kosten | Geschwindigkeit | Überwachung |
|---|---|---|---|
| Öffentliches System (SwissPrEPared) | Franchise + 10 % Selbstbehalt | Moderat (abhängig vom Vorrat) | Vom Zentrum erledigt |
| Privatklinik (aus eigener Tasche) | Volle Medikamenten- + Laborkosten | Moderat (abhängig vom Vorrat) | Vom Arzt erledigt |
| Selbst beschafft (Import) | N/A | N/A | N/A |