PrEP in Österreich ist technisch gesehen nicht "gratis direkt in der Apotheke", aber ein solides Erstattungssystem gibt es mindestens bis Ende 2027. Du musst das Geld sowohl für die Pillen als auch für die Arztbesuche vorstrecken und dann die Rechnungen bei deiner öffentlichen Krankenversicherung (ÖGK, SVS, BVAEB) einreichen, um dein Geld zurückzubekommen. Der Haken an der Sache? Wenn du Beamter bist und bei der KfA versichert bist, bist du derzeit von diesem System ausgeschlossen und musst alles selbst bezahlen.

Wer kann es bekommen?

Die Erstattung deckt Personen mit substanziellem HIV-Risiko ab, gemäß den deutsch-österreichischen HIV-Leitlinien. Das bedeutet in der Regel:

  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)
  • Transpersonen
  • Jeder mit einem dokumentierten erhöhten Risikoprofil

Du musst HIV-negativ sein und bei einer der teilnehmenden öffentlichen Krankenversicherungen versichert sein. Du musst nicht unbedingt eine kürzlich übertragene STI nachweisen, aber ein Arzt muss bestätigen, dass du das Risikoprofil erfüllst.

Wie du es bekommst

  1. Finde einen Spezialisten: Du kannst nicht einfach zu jedem Hausarzt gehen. Du brauchst einen Arzt, der auf HIV/PrEP spezialisiert ist. Am besten findest du einen, indem du das Verzeichnis unter hivprep.at nach teilnehmenden Spezialisten durchsuchst.
  2. Das Erstgespräch: Dein Arzt wird die notwendigen Basisuntersuchungen durchführen (HIV, Nierenfunktion, STI-Screening) und dir dein Rezept ausstellen. Du bezahlst den Arzt im Voraus.
  3. Die Apotheke: Bringe das Rezept zu einer Apotheke. Spezialisierte Apotheken sind meistens günstiger, wobei eine Monatsdosis zwischen 46 € und 59 € kostet. Du bezahlst direkt an der Kasse.
  4. Die Erstattung: Reiche die Arztrechnung und den Apothekenbeleg im Online-Portal deiner Krankenversicherung oder per Post ein. Sie erstatten dir 25 € pro Quartal für die medizinischen Untersuchungen und bis zu 60 € pro Monat für die Medikamente, was die Kosten effektiv deckt, wenn du eine preisgünstige Apotheke nutzt.

Wenn du nicht warten kannst

Österreich leidet nicht unter den massiven öffentlichen Wartelistenkrisen wie im Vereinigten Königreich, aber es kann manchmal ein paar Wochen dauern, einen spezialisierten Arzt zu finden, der neue Patienten aufnimmt.

  • Der Selbstzahler-Weg: Wenn du nicht versichert bist, bei der KfA versichert bist oder einfach den Papierkram der Versicherung umgehen möchtest, um deine Privatsphäre zu schützen, kannst du die Kosten selbst tragen.
  • Generika selbst besorgen: Der Import von generischer PrEP für den Eigengebrauch aus Nicht-EU-Ländern ist durch den österreichischen Zoll technisch eingeschränkt. Da die Apothekenpreise vor Ort auf rund 50 € gesunken sind und das Erstattungssystem in Kraft ist, ist das Online-Selbstbeschaffen viel seltener und weniger notwendig als früher.

Teste dich, bevor du anfängst. Fange niemals mit PrEP an (egal ob verschrieben oder selbst besorgt) ohne einen negativen HIV-Bluttest der 4. Generation oder PCR. PrEP mit einer unentdeckten HIV-Infektion zu beginnen, kann zu medikamentenresistentem HIV führen und macht die Behandlung viel schwieriger.

Was danach passiert

Damit deine Rezepte weiterhin sicher erstattet werden, musst du vierteljährliche Checks machen:

  • Alle 3 Monate: HIV-Test und vollständiges STI-Screening. Du musst aktiv nach einem Drei-Standorte-Test (Rachen, Rektum, Genitalien) auf Gonorrhö und Chlamydien fragen. Wenn du nicht fragst, testet eine ausgelastete Klinik vielleicht nur deinen Urin, was die meisten Infektionen bei schwulen Jungs übersehen würde.
  • Nieren: Dein Kreatinin/eGFR muss bei jedem Besuch überprüft werden, da die Standard-PrEP zum Einnehmen (TDF/FTC) über die Nieren verarbeitet wird.
  • Impfungen: Nutze diese Besuche, um zu prüfen, ob du Auffrischungsimpfungen für Hepatitis A, Hepatitis B, HPV oder Mpox brauchst.

Was verfügbar ist

  • Tägliche PrEP zum Einnehmen: Die Standard-Generika TDF/FTC.
  • Bei Bedarf (2-1-1): Die Einnahme von Pillen nur um den Zeitpunkt des Sexes herum (zwei Pillen davor, eine 24 Stunden später, eine 48 Stunden später) wird von den Leitlinien befürwortet. Sprich mit deinem Arzt, um sicherzustellen, dass dies zu deinem Lebensstil passt.
  • Injizierbare PrEP (CAB-LA / Apretude): Ab 2026 wird injizierbare PrEP nicht umfassend als primäre Option im Rahmen des Standard-Erstattungssystems finanziert. Bleib bei der oralen PrEP, es sei denn, dein Spezialist rät dir, dass du für eine Ausnahme oder Studie in Frage kommst.
WegKostenGeschwindigkeitÜberwachung
Öffentliches System (Erstattet)Effektiv 0 € (erstattet bis zu 60 €/Monat für Medikamente, 25 €/Quartal für Arzt)Tage bis WochenWird vom Spezialisten gehandhabt
Privatklinik (KfA)~50 €/Monat + BeratungsgebührenSofortWird vom Spezialisten gehandhabt
Selbst beschafft (Import)N/AN/AN/A